Besser schlafen, weniger Stress, mehr Fokus.
LSBB | Karin Andrea Stephan
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Karin Andrea Stephan ist Wirtschaftspsychologin und Unternehmerin, leitete den Impact Hub Zürich und ist heute Mitgründerin von Earkick. Zusammen mit Herbert Bay hat sie das Buch «Overnight Power» geschrieben. Seit 2021 schläft sie fast jede Nacht unter freiem Himmel auf ihrem Balkon. In dieser Podcastfolge sprechen wir darüber, warum Schlaf der am meisten unterschätzte Hebel für Unternehmer ist.
Warum jede zweite Führungskraft schlecht schläft
Studien zeigen, dass rund die Hälfte aller Führungskräfte mit stressbedingten Schlafproblemen kämpft. Karin ergänzt, dass es bei den Mitarbeitenden rund 80 Prozent sind. Der Grund liegt auf der Hand: Verantwortung kennt keinen Feierabend. Wer den Druck mit ins Bett nimmt und nicht mehr regeneriert, landet irgendwann in einem Teufelskreis aus Schlafmitteln am Abend und Koffein am Morgen. Und weil eine Führungskraft auf viele andere Menschen wirkt, betrifft das nie nur eine Person.
Schlaf ist keine Belohnung, sondern die Voraussetzung
Die meisten sehen Schlaf als etwas Lästiges zwischen zwei wichtigen Terminen oder als Belohnung am Ende eines harten Tages. Karin dreht das um. Schlaf ist der Grund, warum du am nächsten Tag überhaupt kreativ, fokussiert und entscheidungsfähig bist. Dazu kommt ein Punkt, der viele Macher wahnsinnig macht: «Du kannst dich zu allem zwingen. Aber du kannst dich nicht zum Schlafen zwingen. Den Schlaf kannst du nur einladen.» Disziplin funktioniert bei Sport und Ernährung. Beim Schlaf funktioniert nur, das richtige Umfeld zu schaffen.
Stress abbauen, bevor du ins Bett gehst
Karin unterscheidet klar zwischen gutem und schlechtem Stress. Stress ist nicht das Problem, sondern Stress, der nie aufhört. Wenn der Cortisolspiegel am Abend nicht runterkommt, läuft das Gehirn in Alarmbereitschaft weiter, und jede Maschine, die dauernd überhitzt, geht irgendwann kaputt. Ihr einfacher Test dafür: Setz dich auf eine Bank und mach zehn Minuten nichts. Wenn dir das schwerfällt, hast du dich wahrscheinlich längst an Dauerstress gewöhnt. Man kann sich an Stress gewöhnen und sogar süchtig danach werden.
Was in der Nacht mit deiner Kreativität passiert
In der REM-Phase räumt das Gehirn auf. Es trennt das Gelernte von den Emotionen, sortiert Wut und Frust ein und macht Platz für Neues. Karin vergleicht das mit einer Waschmaschine: Läuft sie nicht, schleppst du den ganzen Haufen am nächsten Tag weiter. Ohne diesen Reset entstehen keine grossen Ideen, weil sie hinter dem Lärm stecken bleiben. Wer abends bewusst ein Problem hinlegt und darüber schläft, wacht oft mit einem Schritt mehr Klarheit auf. Das ist kein Glaubenssatz, sondern gut untersucht.
Draussen schlafen und Sternbaden, so fängst du an
Es gibt Waldbaden und Eisbaden. Karin nennt ihre Praxis Sternbaden, weil man nicht einfach draussen liegt, sondern ganz hineingeht. Angefangen hat es an einem Aprilabend mit einer Matratze auf dem Balkon und dem Gedanken, notfalls wieder reinzugehen. Draussen schlafen ist kein Härtetest. Entscheidend ist das Mikroklima unter der Decke: Nicht schwitzen, nicht frieren, ein bisschen kühl ist gut. Wichtiger als die Stundenzahl ist der Kontrast zwischen hell und dunkel, den du draussen automatisch bekommst.
Die ersten Schritte für besseren Schlaf
Du musst nicht morgen auf dem Balkon übernachten. Karin empfiehlt, klein anzufangen und dem Schlaf überhaupt erst Aufmerksamkeit zu geben. Telefon raus aus dem Schlafzimmer und schauen, was passiert. Abends das Licht früher runterfahren statt bis zur letzten Sekunde einen spannenden Film zu schauen. Vor dem Einschlafen kurz rausgehen, hochschauen und den Tag bewusst beenden. Und wenn die Gedanken trotzdem kommen, sie aufschreiben statt wegzudrücken.
Im zweiten Teil wird das Gespräch persönlicher.
Karin erzählt von ihrem Nordstern. Der Nordstern ist nicht der hellste Stern, aber der konstanteste, und genau darum taugt er zur Orientierung. Für sie heisst das, etwas zu schaffen, das jemanden von A nach B bringt. Sie spricht über eine Kindheit, in der sie lange krank war und einen grossen Teil der Primarschulzeit im Bett verbrachte, und darüber, wie sie dort gelernt hat, im Kopf zu reisen. Wir reden auch über ihre Kinder. Und darüber, was passiert, wenn du deinem Kind die Schwierigkeiten abnimmst: Hilfst du damit dem Kind oder dir selbst?
Fazit
Diese Folge liefert keine Wundermittel und keine Zehn-Punkte-Liste. Karin Andrea Stephan erklärt, was im Schlaf tatsächlich passiert, welche Rolle Stress dabei spielt und was man selber beeinflussen kann. Vieles davon ist einfacher, als man denkt: Licht und Dunkelheit, Temperatur, das Telefon ausserhalb des Schlafzimmers, ein bewusster Schlusspunkt am Abend. Anderes braucht Zeit, weil sich Körper und Gewohnheiten nur langsam umstellen. Was bleibt, ist die Einsicht, dass Schlaf nichts ist, das man erledigt, sondern etwas, das man pflegt.
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