Von 0 auf 150 Mitarbeitende in 7 Jahren. Handwerk erfolgreich skalieren.

LSBB | Ramon Hampel
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Ramon Hampel zu Besuch im Schweizer Unternehmer Podcast Lifestyle by Business mit Gastgeber Michael 'MIKE' Bissig.

Mit 23 hat sich Ramon Hampel als Maler selbständig gemacht. Sieben Jahre später gehörten über 150 Mitarbeitende zur Hampel-Gruppe, mit eigenen Betrieben für Maler, Gipser, Bodenbeläge und Gebäudehülle. In dieser Folge sprechen wir darüber, wie man einen Handwerksbetrieb aufbaut und skaliert. Und vor allem darüber, was er dafür loslassen musste.

Wie ein Handwerksbetrieb entsteht: Der erste Arbeitstag im Kinderzimmer

Es gibt eine Szene aus dem Gespräch, die den Anfang gut beschreibt. Montagmorgen, erster Arbeitstag als Selbstständiger. Alle anderen fahren zur Arbeit, Ramon sitzt allein an einem kleinen Pult im Kinderzimmer bei seinen Eltern. Er weiss nicht, wie man eine Firma gründet, wie man eine Rechnung stellt, wie man Kunden findet. Also tippt er «Businesskontakte Schweiz» in Google, landet bei LinkedIn und wird einer der ersten Handwerker auf der Plattform. Daneben Telefonate, Flyer, Briefkastenaktionen. Seine Beschreibung dieser Zeit: «Entweder hast du Arbeit und arbeitest 12 bis 16 Stunden, oder du hast keine Arbeit und suchst 12 bis 16 Stunden Arbeit.»

Vom Selbstständigen zum Unternehmer: Wo der Unterschied wirklich liegt

Ramon war anfangs alles gleichzeitig. Maler, Sekretär, Buchhalter, Vorarbeiter, Projektleiter, Geschäftsführer. Der Wendepunkt kam nicht mit einem Auftrag, sondern mit einer Haltung. Er begann, Zeit in Dinge zu stecken, die sich für einen Selbstständigen kurzfristig nicht rechnen: Netzwerk, Beziehungen, Struktur. «Die erste Regel vom Unternehmer ist eigentlich: Egal, was du machst, mach es nicht selbst.» Nach drei bis vier Jahren gab er genau das ab, was er selbst am besten konnte. Warum Delegieren den meisten so schwer fällt, hat für ihn zwei Gründe. Das Ego, und die Tatsache, dass man mit dieser Aufgabe auch ein Stück der eigenen Identität weitergibt.

Ein verlorener Auftrag als Auslöser für die Baugruppe

Aus dem Malergeschäft wurde eine Gruppe, weil Ramon einen Auftrag verlor, obwohl er der günstigste Anbieter war. Der Mitbewerber hatte ein Gesamtpaket angeboten, und dem Kunden war der Koordinationsaufwand wichtiger als der Preis. Ramon begann daraufhin, Schnittstellen zu streichen. Erst mit Partnerfirmen, dann mit eigenen Gipsern, eigenen Bodenlegern, eigener Gebäudehülle. Dasselbe Modell übertrug er später vom Wohnungsumbau auf den Grossbau. Genau dort begann das Wachstum, das die Gruppe heute prägt.

Strukturen und Prozesse: wenn nicht mehr der Chef führt

Wachstum klingt in solchen Geschichten oft leichter, als es war. Über sieben, acht, neun Jahre ging jeder Gewinn vollständig zurück in die Firma. «Die Pain-Phase haben wir einfach nie verlassen. Also für uns ist es nie anders gewesen.» Parallel dazu wuchsen die Strukturen mit, und irgendwann kippte etwas: Nicht mehr der Chef führt den Betrieb, sondern das System. Ramon formuliert es so, dass Struktur auch zweitausend Mitarbeitende führen kann, wenn die richtigen Menschen am richtigen Ort stehen. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Betrieb, der skaliert, und einem, der nur voller wird. Und es ist der Grund, warum die Zahl der Mitarbeitenden irgendwann keine Rolle mehr spielt.

Mitarbeitende finden im Handwerk: Charakter statt Bewerbung

Beim Fachkräftemangel wird das Gespräch am unbequemsten. «Viele Unternehmen suchen Bewerbungen und keine Menschen. Ich habe noch nie eine Bewerbung gelesen.» Wer bei ihm schnuppern will, kommt vorbei, die Hürde liegt bei null. Noten interessieren ihn nicht: «Ich suche keinen Schüler, ich suche einen Handwerker.» Ein Lernender, der im ersten Lehrjahr kaum Deutsch sprach, schloss die Lehre mit einer Fünf ab. Auf Kaderebene gilt für Ramon der gleiche Gedanke von der anderen Seite. Wen du mit Geld holst, den verlierst du wieder an Geld. Wen du mit einer Vision holst, der bleibt. Was er sucht, nennt er Unternehmer im Unternehmen.

Im zweiten Teil wird das Gespräch persönlicher. Mit 25 kaufte Ramon sein Traumauto. Beim Wegfahren vom Hof spürte er vor allem Leere. «Das, was ich die ganze Zeit gejagt habe, das habe ich jetzt. Und irgendwie fühle ich mich doch nicht so, wie ich gedacht habe.» Er sagt heute, dass ihm genau diese frühe Erfahrung viel erspart hat. Er lebt minimalistisch, am liebsten in einer Wohnung, die so leer ist wie ein Hotelzimmer. Geld sieht er als Energie, Besitz als Ballast. Sein Tag beginnt um fünf, mit einer halben bis ganzen Stunde Meditation, kalt duschen, dreimal die Woche Gym, sieben bis acht Stunden Schlaf. «Als Unternehmer bist du wie ein Profisportler.»

Fazit

Diese Folge zeigt Wachstum ohne Hochglanz. Kein Masterplan, keine Unternehmerfamilie im Rücken, kein Moment, in dem plötzlich alles leicht wurde. Was bleibt, ist eine einfache und unbequeme Erkenntnis: Du wächst genau so weit, wie du bereit bist, Dinge aus der Hand zu geben. Und wenn du dann angekommen bist, merkst du vielleicht, dass das Ziel nie der Punkt war. Ramon sagt es am Schluss selbst: Glück und Erfüllung hättest du schon am Start haben können, der Weg würde einfach zehnmal weniger weh tun.

 

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Michael Bissig

Michael «Mike» Bissig ist Unternehmer, Coach, Autor und Host des Podcasts «LIFESTYLE by BUSINESS». Mit FOKUS. HANDWERK, der BITE47 und LSBB hilft er Unternehmerinnen und Unternehmern, ein Business zu gestalten, das zu ihrem Leben passt. Mit Klarheit, Disziplin und cleveren Systemen.

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