Vom Traum zum Alptraum. Und zurück zum Erfolg.
LSBB | Daniel Pauli-Kaufmann
Daniel übernahm Ende 2019 das Familienunternehmen Thurgau Travel. Wenige Monate später kam Corona. Danach folgten Ukraine-Krieg, Hochwasser und jahrelange Unsicherheit in der Reisebranche.
In dieser Podcastfolge spreche ich mit Daniel über Unternehmertum in Krisenzeiten. Über Verantwortung, Resilienz und die Frage, wie man weitermacht, wenn eine Krise die nächste ablöst.
Vom Traum direkt in die Krise
Daniel beschreibt sehr ehrlich, wie sich der Einstieg als Unternehmer angefühlt hat. Nach Jahren der Vorbereitung übernahm er das Unternehmen mit grossen Plänen. Kurz darauf brach die Pandemie aus.
Innerhalb kürzester Zeit verlor Thurgau Travel 82 Prozent Umsatz. Reisen waren plötzlich nicht mehr möglich. Grenzen wurden geschlossen und niemand wusste, wie lange die Situation dauern würde.
Besonders herausfordernd war die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden. Daniel spricht darüber, wie schwierig es war, Sicherheit auszustrahlen, obwohl man selbst keine klaren Antworten hatte.
Krisenmanagement bedeutet Akzeptanz
Ein zentrales Learning aus dem Gespräch: Krisen lassen sich nicht kontrollieren. Aber man kann lernen, wie man damit umgeht. Daniel erklärt, warum Akzeptanz der erste wichtige Schritt war. Statt gegen die Situation anzukämpfen, begann das Team sofort damit, Alternativpläne zu entwickeln. Kunden informieren, Liquidität sichern, Mitarbeitende beruhigen und gleichzeitig flexibel bleiben. Besonders spannend ist der Einblick in das Krisenteam, das bereits vor Corona aufgebaut wurde. Nicht, weil man eine Pandemie erwartet hatte. Sondern weil man wusste, dass in der Reisebranche jederzeit etwas passieren kann. Diese Vorbereitung half enorm. Nicht wegen fertiger Lösungen, sondern wegen klarer Prozesse und Verantwortlichkeiten.
Resilienz entsteht nicht aus Büchern
Ein Satz bleibt besonders hängen: «Resilienz trainiert man nicht mit Bücherlesen. Man trainiert sie in der Situation selber.»
Daniel spricht offen darüber, wie sehr ihn die letzten Jahre geprägt haben. Zweifel waren täglich präsent. Viele Entscheidungen mussten getroffen werden, ohne zu wissen, ob sie richtig sind. Trotzdem entwickelte sich genau daraus eine neue Stärke. Nicht nur bei ihm persönlich, sondern im ganzen Unternehmen. Selbstwirksamkeit und Resilienz wurden plötzlich vom Schlagwort zur Realität.
Besonders spannend: Daniel sagt klar, dass Resilienz nie alleine entsteht. Unterstützung durch Familie, Austausch und Coaching seien entscheidend gewesen, um durch diese Zeit zu kommen.
Mut in der Krise
Während viele Unternehmen in der Pandemie auf Stillstand setzten, begann Thurgau Travel neue Projekte zu planen. Neue Schiffe. Neue Destinationen. Neue Ideen. Unter anderem entstand während einer Zugfahrt die Idee für die längste Flusskreuzfahrt der Welt in Indien. Für Daniel war genau das wichtig: trotz Krise an die Zukunft glauben. Er erklärt, warum Visionen gerade in schwierigen Zeiten helfen können. Nicht als Ablenkung. Sondern als Orientierung.
Vom Risiko zur fokussierten Strategie
Ein weiterer spannender Teil des Gesprächs dreht sich um Risiko. Daniel spricht sehr reflektiert darüber, wie sich sein Umgang damit verändert hat. Früher liefen mehrere Projekte parallel. Heute wird bewusster priorisiert. Ein Projekt sauber umsetzen, dann das nächste. Diese Klarheit entstand nicht aus Theorie, sondern aus Erfahrung. Bürgerkrieg in Myanmar, Krieg in Russland und geopolitische Unsicherheiten zwangen das Unternehmen, Risiken neu zu bewerten. Gleichzeitig bleibt Mut ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur. Denn ohne Mut entstehen keine neuen Ideen.
Im zweiten Teil wird das Gespräch persönlicher.
Daniel erzählt von seiner Adoption aus Taiwan und wie ihn das Gefühl, «anders» zu sein, schon früh geprägt hat. Die ersten Wochen in der Schweiz verstand er niemanden und niemand verstand ihn. Rückblickend sieht er genau darin einen wichtigen Teil seiner Resilienz. Wir sprechen über Meditation, Routinen, Sport und warum Energie als Führungsperson so wichtig ist. Es geht um Selbstführung, Fokus und die Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen bewusst Pausen einzubauen.
Fazit
Diese Folge zeigt Unternehmertum ohne Hochglanz. Kein schneller Erfolg. Keine perfekten Antworten. Sondern echte Verantwortung in extrem unsicheren Zeiten. Daniel zeigt eindrücklich, dass Resilienz nicht bedeutet, keine Zweifel zu haben. Sondern trotz Zweifel weiterzugehen. Es geht um Mut, Offenheit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Für Mitarbeitende, Familie und die eigene Vision.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Folge: Erfolg bedeutet nicht, keine Krisen zu erleben. Sondern immer wieder einen Weg zurückzufinden.
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